Rudolf Bahro Archiv

Das Rudolf-Bahro-Archiv befasst sich mit der Bewahrung und Aufarbeitung des wissenschaftlichen Nachlasses des Philosophen und Sozialökologen Rudolf Bahro (1935-1997). Dazu gehört das Sammeln, Sichten und Ordnen seiner Bücher, aber auch von Tonträgern und Filmmaterial zu ihm und seinen Ideen.

Eine weitere Aufgabe ist die Sammlung und Bewahrung von Dokumenten und Zeugnissen zur Geschichte des LebensGutes Pommritz.
Das Bahro-Archiv ist für Interessierte zugänglich. Um vorherige Anmeldung bei Maik Hosang wird gebeten per Email: ifis@gmx.net

Was heißt eigentlich Ökologie? Warum Sozialökologie?
Zitat aus: R.Bahro: Rückkehr. Die In-Weltkrise als Ursprung der Weltzerstörung. Horizonte Verlag Ffm 1991, Seite 35:

Näher kommen wir dem Sinn der Sache, wenn wir Sozialökologie als Wissenschaft vom Verhältnis Mensch <–> Natur, Mensch <–> Erde fassen und nach den Überlebensbedingungen der Menschheit fragen. Was macht der Mensch mit den Gleichgewichtsverhältnissen, in denen sich die Evolution bewegt? Die Erde wieder als unverletzlich, als heiliges Wesen gelten zu lassen, das würde zu einer anderen Auffassung der Wissenschaft führen. Mehr noch: Es scheint so, als ob uns die Natur von außen Grenzen setzt. Wie ist es aber möglich, daß der Mensch, selbst Glied der Natur, mit seinem subjektiven Geist das Maß zu sprengen vermag? Und das führt über das Feld von Sozialwissenschaft, Soziologie usw. überhaupt hinaus.

Sozialökologie behandelt eine Zwischenzone, behandelt die Vermittlung zwischen den Effekten, die der Mensch durch Wissenschaft, Kapital, Staat usw. verursacht, und den Motiven, die ihn zur Machtansammlung auf diesen Wegen treiben. Ich meine also, daß man in der Ökologie von der Anthropologie und Psychologie ausgehen muß und daß es nicht zu leisten ist, wenn man nicht auf Hegels höchste Trias, die Reiche von Kunst, Religion und Philosophie zurückkommt. Das Ganze hat etwas mit unserer Tiefenpsychologie zu tun, und erhellen wir, was da berührt wird, dann ist die spirituelle Dimension nicht auszuschalten. Wissenschaft ist dann in diesem Kontext dazu da, dem Menschen angesichts seiner Kapazität, das Naturgleichgewicht zu stören, eine Hilfe zur Selbstkontrolle zu bieten. Entscheidend ist, die ausschlaggebende Rolle des Menschengeistes bei der Auslösung wie vor allem bei der Bewältigung der ökologischen Krise ins Auge zu fassen.

Der homo sapiens, so wie ihn die Anthropologie und Psychologie statistisch erfaßt, ebenso der Mensch, von dem es am Stammtisch heißt, er sei nun einmal so, wie er ist – der ist bereits verloren. Die Selbstzerstörungskräfte haben Vorlauf. Es gibt aber in uns ein Potential, das darüber hinausreicht. Das meinte Pascal, als er sagte: "Der Mensch übersteigt unendlich den Menschen." Das heißt auch, das genetische Material ist noch nicht ausgeschöpft. Andererseits sah Einstein: "Nicht die Atombombe ist das Problem, sondern das menschliche Herz." Beides verträgt wissenschaftliche Behandlung. Wissenschaft und Glauben sind zu Beginn des Mittelalters falsch getrennt worden.